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Die Tierwelt des Naturparks „Zittauer Gebirge“


Das Zittauer Gebirge beherbergt eine vielfältige und interessante Tierwelt.
Nur ein Teil davon lässt sich allerdings leicht beobachten während sich viele Arten den Blicken des ortsunkundigen Besuchers zu entziehen wissen. Für den Naturinteressierten lohnt es sich deshalb, sich einer geführten Wanderung anzuschließen.

Besonders die große Teile des Gebietes prägenden und zum Teil schwer zugänglichen Sandsteinfels-Komplexe und die sie umgebenden Wälder und Forste bieten einen Rückzugsraum für seltene und gefährdete Tierarten.

Die bekannteste dieser Arten ist sicher die größte einheimische Eule - der Uhu. Mit Einbruch der Dämmerung erklingen in den besetzten Uhu-Revieren während der winterlichen Balzzeit im Wechsel die dumpfen und bis zu einem Kilometer weit hörbaren „Buho“-Rufe des Männchens und helleren „u-hu“ des Weibchens. Zu Gesicht bekommen wird der naturinteressierte Besucher den überwiegend nachtaktiven und auf menschliche Störungen empfindlich reagierenden Vogel dagegen kaum.

Etwas besser stehen die Chancen dafür beim Schwarzstorch. Dieser errichtet seinen Horst zwar ebenfalls in unzugänglichen Felsbereichen kann aber als tagaktiver und schon aufgrund seiner Größe auffälliger Vogel mit etwas Glück beim Überflug beobachtet werden.

Weitere Vogelarten, die die Sandsteinfelsen bevorzugt als Niststandort nutzen sind der erst vor wenigen Jahren ins Gebiet zurückgekehrte Wanderfalke und unser größter Rabenvogel der Kolkrabe.

Zu den seltenen Bewohnern der Wald- und Felskomplexe des Zittauer Gebirges gehört auch unsere einzige Giftschlange die Kreuzotter. Es gehört jedoch sehr viel Glück dazu, sie überhaupt zu Gesicht zu bekommen da sie sehr scheu ist und den Menschen meist schon aus großer Entfernung bemerkt.

Spechte sind in der Natur so genannte Schlüsselarten weil zahlreiche Tierarten als Nachnutzer von den von ihnen gezimmerten Baumhöhlen abhängig sind.
Ganz besonders gilt dies für unsere größte Spechtart, den in den Waldgebieten des Zittauer Gebirges allgemein verbreiteten und etwa krähengroßen Schwarzspecht. Seine gewöhnlich in großer Höhe und meist an alten Buchen angelegten Nisthöhlen werden von Vogelarten wie Hohltaube, Dohle, Star, Rauhfußkauz und Waldkauz genutzt. Weiterhin dienen sie auch als Unterschlupf für den Baummarder und verschieden Fledermaus-Arten oder werden von Wespen, Hornissen, Hummeln und Honigbienen besiedelt. Die sehr markanten Rufe des Schwarzspechts sind weithin hörbar. Dazu gehört vor allem eine im Fluge ausgestoßene schnelle Rufreihe die etwa wie krrü … krrü … krrü  klingt und ein im Sitzen ausgerufenes „Krähen“ das etwa Klieeh oder Kliööh klingt. Kann man ihn beobachten so ist er wegen seiner Größe und seiner Färbung mit schwarzem Gefieder und einer roten Kopfplatte ebenfalls unverwechselbar.

Die kleinste heimische Eule – der Sperlingskauz zählt ebenfalls zu den Bewohnern des Zittauer Gebirges. Er ist nur etwa so groß wie ein Star und erbeutet vor allem Kleinvögel und Kleinsäuger. Im Gegensatz zu den meisten anderen Eulenarten ist er überwiegend tagaktiv und zudem auch nicht besonders scheu. Der Sperlingskauz nistet in verlassenen Spechthöhlen, seltener auch in Nistkästen.

Unterholzreiche Laub- und Mischwälder bewohnt die Haselmaus. Dieses Nagetier sieht zwar auf den ersten Blick aus wie eine echte Maus gehört aber zur Familie der Schläfer. Wegen ihrer versteckten und nachtaktiven Lebensweise bekommt man das Tier selbst kaum zu Gesicht. Eher noch findet man die in typischer Weise spiralförmig angenagten Haselnüsse welche von seiner Anwesenheit künden.

Eine ganze Reihe von Wildarten lassen sich im Naturpark beobachten. Neben den allgegenwärtigen Arten wie Reh- und Schwarzwild lassen sich im Zittauer Gebirge mit viel Glück auch Rothirsch und Gämse beobachten.

Auch der Feldhase ist nach wie vor allgemein verbreitet, wenn auch bei weitem nicht mehr so häufig wie noch vor wenigen Jahrzehnten. Tatsächlich vom Aussterben bedroht ist dagegen das Rebhuhn (siehe Bild unterhalb). Dieser noch vor wenigen Jahrzehnten überaus häufige Bewohner der offenen Feldflur findet in der heutigen intensiv genutzten Agrarlandschaft kaum noch geeignete Lebensmöglichkeiten.


Zu den einheimischen Beutegreifern Fuchs, Steinmarder, Baummarder, Dachs, Fischotter, Hermelin und Mauswiesel sind in den letzten Jahren zwei Neubürger hinzugekommen. Es sind der aus dem fernen Osten stammende Marderhund und der aus Nordamerika stammende Waschbär.

Der heimische Luchs ist dagegen im Zittauer Gebirge bisher ein seltener Gast geblieben. Nur ab und an durchstreifen einzelne aus Tschechien kommende Tiere das Gebiet.

Die Lausche, mit 793 Metern der höchste Berg des Zittauer Gebirges, beherbergt einige besondere zoologische Kostbarkeiten.
So hat auf dem Gipfel der Lausche seit der letzten Eiszeit ein kleines Reliktvorkommen der in Sachsen vom Aussterben bedrohten Alpenspitzmaus überdauert. Die Art kommt auch noch auf einigen benachbarten Bergen auf tschechischer Seite vor. In Deutschland liegen die nächsten aktuell bestätigten Vorkommen im Bayrischen Wald, dem Fichtelgebirge und der Rhön.

Ebenfalls als Eiszeitrelikt gilt der Alpen-Strudelwurm. Dieser maximal 1,5 cm lange Strudelwurm ernährt sich räuberisch von Bachflohkrebsen und kommt im Gebiet nur an wenigen sauberen und ganzjährig fließenden Quellen vor da er sauberes Wasser und ganzjährig kühles Wasser benötigt. Man muss sich allerdings schon die Mühe machen Steine aus dem Wasser aufzulesen um die daran festsitzenden Strudelwürmer zu entdecken.

Überhaupt lohnt es sich, die vielfältige und faszinierende Lebewelt der Quellen und Bäche einmal etwas genauer zu betrachten. Schon mit bloßem Auge oder besser noch mit Hilfe einer Lupe lässt sich hier eine Menge entdecken. Nur wenige Millimeter große Flussnapfschnecken weiden Algenbeläge von Steinen ab, Bachflohkrebse suchen im Wasser nach Pflanzenresten und schwerfällige Köcherfliegenlarven bauen sich zum Schutz ihres empfindlichen Hinterleibs aus kleinen Steinchen oder Pflanzenresten die verschiedenartigsten Köcher.

Eine Bewohnerin der kleinen Quellbäche des Gebirges ist die Zweigestreifte Quelljungfer (siehe Bild unterhalb). Während der von Juni bis in den Herbst reichenden Flugzeit kann man am ehesten die entlang „ihres“ Bachabschnittes patroullierenden Männchen dieser recht großen und durch ihre schwarz-gelbe Zeichnung auffallenden Libellenart entdecken.

Etwas weiter bachabwärts beginnt der Lebensraum der Prachtlibellen. Die Männchen mit ihren je nach Art vollständig in leuchtenden blau gefärbten oder blau gebänderten Flügeln sind nicht zu übersehen während die grünlich oder bräunlich gefärbten Weibchen etwas unscheinbarer sind. Wie auch einige andere fließgewässerbewohnende Libellenarten haben sie seit einigen Jahren mit der Verbesserung der Wasserqualität ihre angestammten Lebensräume zurück nachdem ihre Vorkommen in den vergangenen Jahrzehnten vielfach der Gewässerverschmutzung zum Opfer gefallen waren.

Auch Vogelarten wie der prachtvoll gefärbte Eisvogel und die mit ihrem weißen Brustlatz unverkennbare Wasseramsel haben von dieser Entwicklung profitiert. Gleiches gilt für Fischarten wie Bachforelle (siehe Bild unterhalb), Äsche und Hasel sowie für das Bachneunauge. Letzteres ist ein fischähnliches, 10-20 cm langes Tier das aussieht wie die Miniaturausgabe eines Aals jedoch nicht zu den Fischen sondern zu einer eigenen, stammesgeschichtlich sehr alten Klasse der Wirbeltiere gehört.

Vom Menschen angelegte Fischteiche und Restgewässer in ehemaligen Steinbrüchen, Sand- und Tongruben oder etwa im ehemaligen Braunkohletagebau Olbersdorf sind Laichgewässer für eine Reihe von Amphibienarten wie Berg- und Teichmolch, Grasfrosch, Teichfrosch, Erdkröte und Knoblauchkröte.
Auch die im Schilfröhricht brütende Rohrweihe findet an einigen Teichen geeignete Nistmöglichkeiten.